Studienkurs „Open Educational Resources“ im Geschichtsunterricht

Der Studienkurs auf einen Blick

In diesem Kapitel werden zunächst die „ Kompetenzen, welche die Studierenden im Kurs erwerben, dargestellt. Die „ Kurzbeschreibung des Kursangebots bietet eine überblicksartige Einführung in die grundlegende Idee des Kurses, in dem das Anliegen sowie der hochschuldidaktische Ansatz knapp skizziert werden. Ein tabellarischer Kurzüberblick vermittelt anschließend die organisatorischen Rahmenbedingungen, wobei hier auch grundsätzliche Überlegungen zu einer Weiterführung bzw. anderen hochschuldidaktischen Formaten in den Blick genommen werden.

Kompetenzen

Die Kursteilnehmer:innen können in diesem Kurs die folgenden Kompetenzen erwerben:

  • Die Kursteilnehmer:innen haben eine Vorstellung davon, worum es sich bei „Open Educational Resources“ (kurz OER)/„Offene Lehr-Lernmittel“ handelt und können den Begriff von verwandten Termini abgrenzen. Sie betrachten anhand aktueller Beispiele die vielschichtigen Marktentwicklungen und fragen kritisch nach dem Nutzungsverhalten der Lehrkräfte.
  • Die Kursteilnehmer:innen sind fähig, Zielsetzungen historischen Lernens zu bestimmen und Kennzeichen und Prinzipien guten Geschichtsunterrichts sowie des „allgemeinen“ Unterrichts zu identifizieren. Sie betrachten kritisch unterrichtliche Situationen und Unterrichtsmaterialien und setzen sie in Bezug zum OER-Begriff.
  • Die Kursteilnehmer:innen sind in der Lage, anhand des AAER offene Lehr-Lernmittel für den Geschichtsunterricht in ihrer allgemeindidaktischen Qualität zu beurteilen. Sie entwickeln in vier Kleingruppen im Rahmen sog. „Expertensitzungen“ Vorschläge für ergänzende geschichtsdidaktische Items, die sie im weiteren Kursverlauf zu einem geschichtsdidaktischen Raster zusammenfügen.
  • Die Kursteilnehmer:innen sind fähig, das gesamte Raster auf konkrete OER anzuwenden, d. h. die offenen Lehr-Lernmittel anhand der Fragestellungen multidimensional zu analysieren und anschließend hinsichtlich ihrer potenziellen Verwendbarkeit im Geschichtsunterricht zu

Damit erwerben die Studierenden Professionswissen in folgenden Bereichen:

Pädagogisches Wissen: Reflektiertes Wissen über die Analyse und Evaluation offener Lehr-Lernmittel aus pädagogischer Perspektive; Reflexiven Umgang mit Qualitätskriterien für gute offene Lehr-Lernmittel auf der Basis von allgemeindidaktischen Standards für guten Unterricht

Fachdidaktisches Wissen: Reflektiertes Wissen über die Analyse und Evaluation von offenen Lehr-Lernmitteln aus fachlicher Perspektive; Reflexiver Umgang mit Qualitätskriterien für gute offene Lehr-Lernmittel auf der Basis von geschichtsdidakti-
schen Standards für guten Unterricht

Fachwissen: Reflektiertes Wissen über die Bezugsdisziplin Geschichtswissenschaft, ihre Begriffe, Konzepte und Erkenntniswege sowie ihre Fachmethoden, die in Bezug auf historische Quellen und Darstellungen angewendet werden und gleichsam konstituierend für gute Lehr-Lernmittel sind.

Überzeugungen/Werthaltungen, motivationale Orientierungen und selbstregulative Fähigkeiten: Diese gewinnen die Studierenden insbesondere durch die Analyse und Evaluation konkreter offener Lehr-Lernmittel, die entweder bestimmte Aspekte des Geschichtsbewusstseins als die für den Geschichtsunterricht maßgebende Heterogenitätsdimension direkt ansprechen oder entsprechend angepasst werden können.

Kurzbeschreibung des Kursangebots

Anliegen des Kurses „Open Educational Resources im Geschichtsunterricht“ ist es, Studierende der Lehramtsstudiengänge auf die zukünftigen und breit gefächerten Herausforderungen im Bereich der Beurteilung von offenen Lehr-Lernmitteln für das Fach Geschichte theoriebasiert und praxisnah vorzubereiten. Der Kurs verfolgt dabei eine ganzheitliche Zielsetzung, die allgemein-pädagogische und fachspezifische Gütekriterien miteinander verbindet. Er ist auf Studierende der Lehramtsstudiengänge für Grund-, Mittel- und Realschule sowie Gymnasium ausgelegt. Dabei trägt das Lehrkonzept auch den neueren Entwicklungen auf dem Lehrmittelmarkt im Internet Rechnung. Anhand konkreter Beispiele für Open Educational Resources sollen die angehenden Geschichtslehrer:innen ihre Analyse- und Evaluationsfähigkeit aktiv und reflexiv trainieren und ausbauen. Zu diesem Zweck werden theoretische und praxisorientierte Ansätze über die Methode des „Forschenden Lernens“ im Sinne einer professionellen Lehrer:innenbildung miteinander verbunden. Ausgehend von einer Bestimmung des Untersuchungsgegenstandes Offene Lehr-Lernmittel und der Erarbeitung relevanter theoretischer Themenkomplexe aus der Allgemeinen Pädagogik, der Schulpädagogik/Allgemeinen Didaktik, der Forschung zu (Bildungs-)Medien und der Geschichtsdidaktik (z. B. zu den Zielen und Prinzipien guten Geschichtsunterrichts bzw. guter Lehr-Lernmittel) entwickeln die Studierenden in Teamwork in verschiedenen „Expertensitzungen“ eine geschichtsdidaktische Ergänzung bzw. Konkretisierung des bestehenden „Augsburger Analyse- und Evaluationsrasters für analoge und digitale Bildungsmedien“ (AAER), wobei hier vier in der Fachliteratur hervorgehobene geschichtsdidaktische Prinzipien herausgegriffen werden. Dieses erproben sie an praktischen OER-Beispielen, um die Chancen und Grenzen des von ihnen entwickelten Rasters erfahren zu können. Für das Kurskonzept hat sich eine Prüfung in Form eines lernprozessorientierten Portfolios, das aus insgesamt vier Elementen besteht, bewährt. Dieses unterstützt die Studierenden darin, die entstehenden Produkte und damit verbundenen Forschungsprozesse zu reflektieren, um so ihre Fortschritte in verschiedenen Kompetenzfeldern bewusst wahrzunehmen.

Das Kurskonzept leistet einen Beitrag zu einer innovativen Lehrer:innenbildung:

  • In inhaltlicher Sicht bezieht es bewährte pädagogische und geschichtsdidaktische Gütekriterien für guten Unterricht erstmals auf eine neue Form an Lehr-Lernmitteln, welche durch ihre Anpassungsfähigkeit in besonderer Weise dazu geeignet sind, einen angemessenen Umgang mit heterogenen Lerngruppen zu fördern und genuin geschichtsdidaktische Kompetenzen anwendungsorientiert zu vermitteln.
  • In forschungsmethodischer Sicht stärkt die gezielte und forschungsorientierte Arbeit die Analysefähigkeiten der Studierenden im Sinne eines kritischen Umgangs mit im Internet frei angebotenen digitalen Lehr-Lernmitteln. Es werden dabei im Sinne eines Forschenden Lernens auch für Dritte interessante Erkenntnisse gewonnen, indem die Forschungsergebnisse sowohl im Rahmen einschlägiger Fortbildungen bzw. Workshops dargeboten werden als auch in verschiedenen Veröffentlichungen publiziert werden.
  • In unterrichtsmethodischer Sicht erlernen, erproben und evaluieren die Kurs-teilnehmer:innen verschiedene Unterrichtskonzeptionen auf zweierlei Weise. Sie reflektieren zum einen selbst durchgeführten Unterricht, gehen aber auch anwenderorientiert-kritisch mit den in den OER angebotenen Praxisvorschlägen für Geschichtsunterricht um. Darüber hinaus analysieren und evaluieren sie die didaktisch-methodische Bedeutsamkeit offener Lehr-Lernmittel für einen kompetenzorientierten Geschichtsunterricht.

Damit die Studierenden vor Seminarbeginn eine Vorstellung von den Zielen und Inhalten des Kurses erhalten, wurde folgende Kurzbeschreibung des Kurses zusammengestellt:

Das Schulbuch gilt nach wie vor als das „Leitmedium“ des Geschichtsunterrichts. Gleichwohl ist seine Stellung im Unterricht nicht mehr unangefochten. Digitale Online-Medien treten zunehmend in Konkurrenz. Von besonderem Interesse für die schulische Praxis sind dabei „Open Educational Resources“ (OER), denn auf sie können Lehrer:innen nicht nur einfach und rechtlich abgesichert zugreifen, sondern sie auch an die Spezifika ihrer Lerngruppe anpassen. Ob sie jedoch auch den pädagogischen und geschichtsdidaktischen Qualitätsstandards standhalten, ist vielfach noch nicht ausgemacht. Der Kurs setzt hier an und führt in die Analyse und Evaluation von Bildungsmedien aus dem Internet für das Fach Geschichte ein. Die Studierenden entwickeln dabei auf der Basis des Augsburger Analyse- und Evaluationsrasters für analoge und digitale Bildungsmedien (AAER) selbstständig ein Analyseschema, das sie als künftige Geschichtslehrkräfte auf verschiedene OER anwenden.