Studienkurs "Geographieunterricht videobasiert planen, durchführen und analysieren"

Der Studienkurs auf einen Blick

In diesem Kapitel werden zunächst die „ Kompetenzen, welche die Studierenden im Kurs erwerben, dargestellt. In einer „ Kurzbeschreibung des Kursangebotes wird anschließend die grundlegende Idee des Kurses vorgestellt, indem das Anliegen und der hochschuldidaktische Ansatz knapp skizziert werden. Ein tabellarischer „ Kurzüberblick vermittelt die organisatorischen Eckdaten.

Kompetenzen

  • Die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer erläutern theoriegeleitet die Relevanz unterschiedlicher Dimensionen von Heterogenität für Bildungsprozesse im Geographieunterricht.
  • Sie erläutern unterschiedliche Ansätze eines angemessenen Umgangs mit Heterogenität beim Einsatz geographischer Bildungsmedien (Ansätze einer klassischen Binnendifferenzierung sowie einer Differenzierung bei gleicher Aufgabenstellung im Sinne des Ansatzes Thinking Through Geography).
  • Sie planen unter Berücksichtigung der erworbenen theoretischen Kenntnisse eine geographische Unterrichtsstunde zu einem selbst gewählten Thema unter Einsatz eines geographischen Bildungsmediums, die auf einen angemessenen Umgang mit der Heterogenität abzielt.
  • Sie führen diese Unterrichtseinheit gemäß ihrer Konzeption durch.
  • Sie analysieren forschungsorientiert, videobasiert und theoriegeleitet, unter Zuhilfenahme des Lesson Analysis Framework, ihre eigene Unterrichtserfahrung sowie die ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen und leiten daraus konkrete Konsequenzen für die Unterrichtsgestaltung ab.
  • Sie bauen damit ihre Fähigkeiten zur Professionellen Unterrichtswahrnehmung aus.
  • Sie legen ihre Unterrichtsanalyse sowie die dabei erzielten Erkenntnisse in schriftlicher Form dar.

Damit erwerben die Studierenden Professionswissen (basierend auf Baumert & Kunter 2006, 482-505) in folgenden Bereichen (deklaratives und prozedurales Wissen):

Pädagogisches Wissen: Allgemeindidaktisches Konzeptions- und Planungswissen, Herstellung einer konstruktiv-unterstützenden Lernumgebung und einer effektiven Klassenführung, Wissen über Heterogenität sowie Möglichkeiten der Differenzierung und eines adaptiven Unterrichts, fächerübergreifende Prinzipien der individuellen Diagnose und Förderung nach persönlich wählbaren Heterogenitätsdimensionen im Sinne der Professionellen Unterrichtswahrnehmung.

Fachwissen: Themenspezifisches fachwissenschaftliches Wissen (abhängig von den gewählten Unterrichtsstundenthemen).

Fachdidaktisches Wissen: Wissen über den lernprozessförderlichen Einsatz von Lernaufgaben, innovativen Methoden des Geographieunterrichts (Thinking Through Geography) und von geographischen Bildungsmedien unter Berücksichtigung der jeweiligen Lernvoraussetzungen, Wissen über Schülervorstellungen sowie über Diagnostik von Schülerwissen und Verständnisprozessen, Fähigkeit zur Identifikation lernrelevanter Situationen im Geographieunterricht und zu deren Analyse im Sinne der Professionellen Unterrichtswahrnehmung.

Überzeugungen/Werthaltungen, motivationale Orientierungen und selbstregulative Fähigkeiten gewinnen die Studierenden insbesondere dadurch, dass der Kontakt mit Schülerinnen und Schülern hergestellt wird. Sie führen näherungsweise authentischen Unterricht an Schulen durch und hinterfragen ihre Überzeugungen und Werthaltungen anhand dieser praktischen Erfahrungen. Die detaillierte videobasierte Analyse dieser Unterrichtserfahrungen ermöglicht es, dass Studierende ihre möglicherweise bestehenden Vorurteile hinterfragen sowie ihre Überzeugen, Werthaltungen, motivationalen Orientierungen und selbstregulativen Fähigkeiten einerseits erkennen, andererseits untereinander vergleichen und daraufhin weiterentwickeln können.

Kurzbeschreibung des Kursangebots

Anliegen des Kurses „Geographieuntericht videobasiert planen, durchführen und analysieren“ ist es, die angehenden Lehrkräfte auf die zukünftigen breit gefächerten Herausforderungen im Bereich der Unterrichtsplanung und -analyse speziell im Kontext heterogener Lerngruppen vorzubereiten. Er bietet Lehramtsstudierenden des Faches Geographie aller Schulformen die Chance, ihre Fähigkeiten zum adäquaten Einsatz geographischer Bildungsmedien in heterogenen Lerngruppen und ihre unterrichtsbezogenen Analysefähigkeiten zu trainieren sowie ihr bildungswissenschaftliches Wissen aktiv zu vernetzen.

Zu diesem Zweck verfolgt er einen hochschuldidaktischen Ansatz, bei dem Theorie, forschungsorientiertes Lernen und Unterrichtspraxis intensiv miteinander verbunden werden: Nach der Erarbeitung relevanter theoretischer Themenkomplexe (z. B. Dimensionen von Heterogenität, Subjektivität eigener Wahrnehmung von Heterogenität, heterogenitätsgerechte Aufgabenkultur, Einsatz geographischer Bildungsmedien) planen die Studierenden auf der Grundlage zielführender theoretischer Zugänge jeweils ein eigenes Unterrichtskonzept zu einem geographischen Unterrichtsthema, in dem ein bestimmtes Bildungsmedium zum Einsatz kommt. Dieses erproben sie mit Schülerinnen und Schülern in der Praxis und analysieren ihre Unterrichtserfahrungen wie auch die ihrer Kommilitonen videobasiert und theoriegeleitet im Sinne eines forschungsorientierten Lernens, um daraus wiederum Erkenntnisse für die schulische Praxis zu gewinnen.

Damit möchte der konzipierte Kurs einen Beitrag zu einer innovativen Lehrerinnen- und Lehrerbildung leisten:

  • In inhaltlicher Hinsicht gibt er Antworten auf die Frage nach einem angemessenen Umgang mit heterogenen Lerngruppen im Geographieunterricht unterschiedlicher Schulformen. Die Studierenden können hierbei die von ihnen fokussierte(n) Heterogenitätsdimension(en) frei wählen; in den bisherigen Veranstaltungen lag der Schwerpunkt zumeist auf der leistungsbezogenen Heterogenität.
  • In forschungsmethodischer Hinsicht stärkt die gezielte und forschungsorientierte Arbeit mit Videovignetten die unterrichtsbezogenen Analysefähigkeiten der Studierenden im Sinne der sog. Professionellen Unterrichtswahrnehmung. Ihre Fähigkeiten zur aktiven Vernetzung unterrichtsbezogenen Wissens werden unter Anwendung graphischer Darstellungsformen trainiert.
  • In unterrichtsmethodischer Hinsicht erlernen, erproben und evaluieren die Studierenden die Konstruktion von Lernaufgaben, die in besonderer Weise für die bildungsmediengestützte Behandlung geographischer Unterrichtsthemen in heterogenen Lerngruppen geeignet sind.

Kurzbeschreibung des Kurses für interessierte Studierende in der Anmeldephase

In diesem Kurs erhalten Sie Einblick in die Arbeit mit Unterrichtsvignetten (Fallbeispiele aus näherungsweise authentischen Unterrichtssituationen) im Kontext von Heterogenität und Bildungsmedien.

Sie werden hierbei einzelne geographische Bildungsmedien (z. B. Karten, Modelle, Bilder, Schulbücher, Experimente/Versuchen, Filme) nutzen, um Unterrichtssituationen zu planen, in denen Sie besonders auf die Heterogenität Ihrer Lerngruppe eingehen. Diese Situationen werden Sie videographisch aufzeichnen und für den Kurs aufbereiten. Die Unterrichtsstunden werden abschließend im Kurs analysiert und diskutiert.

Es sollen Best-Practice-Beispiele entstehen, die wiederum andere Studierende und/oder Referendare und/oder Lehrkräfte zur Fortbildung verwenden können.